Gastbeitrag - Die Schweiz profitiert vom Freihandel / Schwyzer Kantonalbank

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Die Schweiz profitiert vom Freihandel

23.5.2020 - 18:09

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich der globale Handel erheblich intensiviert. Der Abbau von Handelsschranken hat dazu entscheidend beigetragen.

Dr. Reto Föllmi, Professor für Volkswirtschaftslehre, SIAW-HSG, Universität St. Gallen

Die Schweiz als kleine Volkswirtschaft ist eminent auf freien Zugang zum Markt im Ausland angewiesen. Die schweizerische Aussenwirtschaftspolitik beruht auf drei Säulen: Mitgliedschaft in der WTO, bilaterale Abkommen mit der EU und Freihandelsabkommen mit Staaten ausserhalb der EU. Die WTO sichert dank globalen Standards Zugang zu Märkten, und sie vereinfacht den weltweiten Handel. Für die Schweiz als Binnenland ist so sichergestellt, dass sie einfach und gleichberechtigt weltweit importieren und exportieren kann.

Freihandelsabkommen

Die mittlerweile rund 130 Abkommen mit der EU, beginnend mit dem Freihandels- abkommen von 1972 und den «Bilateralen», sind zwar kontrovers, wenn es um die Zuwanderung geht, für den Güter- und Dienstleistungshandel sind sie aber nicht mehr wegzudenken. Die Schweiz verfügt mittlerweile zudem über ein Netz von Freihandelsabkommen mit wichtigen Staaten wie Kanada, Japan oder China. Zudem befindet sich die Schweiz aktuell in Verhandlungen mit vielen weiteren Staaten im asiatischen Raum. Unser Land hat davon stark profitiert. Trotzdem gibt es in der Schweiz immer wieder protektionistische Bestrebungen, die diese Errungenschaften aufs Spiel setzen. Viele Vorstösse, die auf Abschottung zielen und das grenzüberschreitende Wirtschaften schwieriger machen, dämpfen das Vertrauen der Wirtschaftsakteure und verschlechtern die Rahmenbedingungen in der Schweiz. In der gegenwärtigen wirtschaftspolitischen Debatte sind auch verschiedene Ideen im Umlauf, die eine irgendwie geartete Abhängigkeit vom Ausland verhindern möchten. So wird beispielsweise von gewissen Ak- teuren gefordert, den Selbstversorgungsgrad an Nahrungsmitteln zu erhöhen oder auf vermeintlich teure Energieimporte zu verzichten.

Komparative Vorteile

Aber wer auf Importe verzichtet, muss alles selber produzieren, egal, wie schlecht er das kann. Dies verhindert, dass sich die Volkswirtschaft auf ihre Stärken (komparativen Vorteile) konzentriert, also in Branchen wächst, wo sie relativ am meisten Wettbewerbsvorteile hat und mit geringstmöglichem Ressourceneinsatz am meisten Einkommen erzielen kann. So ergibt es mehr Sinn, günstigeren (auch ökologischen, vom ausländischen Steuerzahler subventionierten) Strom zu importieren und die Fachkräfte hier in der Schweiz in anderen Sektoren, die ohne Unterstützung wettbewerbsfähig sind, einzusetzen. Die Schweiz hat einen rekordhohen Exportüberschuss und belegt in Innovationsrankings regelmässig die vordersten Plätze. Dieser beispiellose Erfolg ist ein Beleg dafür, dass die Schweizer Volkswirtschaft im Ganzen ihre «Make or Buy»-Entscheidung gut trifft. Wir produzieren und exportieren dort, wo wir stark sind, und importieren, was wir nur teurer selber herstellen könnten. Der berühmte Ökonom und Nobelpreisträger Paul Samuelson wurde von einem Mathematiker ironisch gefragt, ob es eine Erkenntnis der Sozialwissenschaften gebe, die sowohl wahr als auch nicht trivial ist. Samuelson war nicht schlagfertig genug, eine passende Erwiderung zu geben. Erst viele Jahre später fiel ihm die treffende Antwort ein: die Theorie der komparativen Vorteile. In seinen Worten: «Einem Mathematiker muss man nicht erklären, dass sie logisch und korrekt ist. Dass sie nicht trivial ist, beweisen Abertausende wichtige und intelligente Leute, die niemals in der Lage waren, die Theorie selber zu begreifen oder wenigstens daran zu glauben, nachdem sie ihnen erklärt worden war.»

Wo liegen denn unsere komparativen Vorteile? Tendenziell ist die Schweiz auf der Exportseite gegenüber anderen Ländern im Maschinenbau, bei Uhren und Schmuck, der Präzisionsgüterindustrie sowie in der chemisch-pharmazeutischen Industrie stark. Diese vier Branchen sind für rund 80 Prozent aller Ausfuhren verantwortlich. Importseitig machten 2015 Konsumgüter den Hauptanteil aus (44 Prozent). Die andere Hälfte der Einfuhren waren Rohstoffe respektive Halbfabrikate (24,4 Prozent) und Investitionsgüter (24,1 Prozent). Energieträger machten mit 7,7 Prozent einen untergeordneten Anteil aus.

Versorgungssicherheit

Die prosperierende Schweiz ist ein Paradebeispiel, dass netto alle von Freihandel profitieren; eine Abschottung der heimischen Wirtschaft ist kein zukunftsträchtiges Konzept. Einheimische Produzenten sind ebenfalls auf preisgünstigere oder qualitativ bessere Vorleistungen angewiesen, die nicht alle in einem kleinen Land erbracht werden können. Den wahren Handelsgewinn erzielen wir beim Ein- kauf, bei den Importen! Hätten wir die tieferen Preise der importierten Waren nicht, würde Kaufkraft für lokale Produkte fehlen, insbesondere jene mit hoher Qualität. Auch die Versorgungssicherheit würde leiden. Nur mit Freihandel haben wir breiten Zugang zu Vorprodukten und den nötigen Austausch von Know-how mit dem Ausland.

Risiken

Die Corona-Krise hat uns jedoch auch das Risiko von weiten Distanzen und der Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern in der Wertschöpfungskette vor Augen geführt. Die Globalisierung geht sicher weiter, gerade wenn wir an die Möglichkeiten des entfernten Arbeitens durch die Digitalisierung denken. Sie hat sich für die Schweiz auch als segensreich erwiesen. Moralische Appelle an lokales Kaufen alleine nützen darum wenig und sind nicht nachhaltig. Lokale Produzenten haben aber stets den Vorteil, dass sie die Kundenbedürfnisse besser kennen. So öffnet sich zum Bei- spiel mit innovativen Geschäftsmodellen eine Chance, die Kunden in der Nähe wieder vermehrt abzuholen.


Der Autor
Dr. Reto Föllmi ist ordentlicher Professor und Direktor des Schweizerischen Instituts für Aussenwirtschaft und Angewandte Wirtschaftsforschung der Universität St. Gallen und unter anderem Bankrat der Schwyzer Kantonalbank. Er wohnt in Feusisberg.

INSTITUT FÜR AUSSENWIRTSCHAFT

Das Schweizerische Institut für Aussenwirtschaft und Angewandte Wirtschaftsforschung der Universität St. Gallen, welches im Jahr 1943 gegründet wurde, wird von den Professoren Johannes Binswanger, Timo Boppart, Simon Evenett, Reto Föllmi und Roland Hodler geleitet.

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